Erinnern für die Zukunft – Erster Holocaust-Gedenktag am Gymnasium STEIN

Auf der SMV-Fahrt des Gymnasium Stein versprach der neu gewählte 1. Schülersprecher Lenny Feldmann einen Holocaust-Gedenktag am Gymnasium Stein zu planen. Der Schulleiter des Gymnasium Stein Herr Groß war von dieser Idee sofort  überzeugt. Daraufhin schloss sich die Fachschaft  Geschichte mit Frau Mayers-Teßmann (mit dem AK-Toleranz), Frau Zöller und Frau Hopfengärtner diesem Projekt an und unterstützten die drei Schülersprecher bei der Planung und Durchführung dieses Projekttages am Gymnasium Stein.

Eigentlich sollte der Holocaust-Gedenktag am Gymnasium STEIN, wie bundesweit, am 27. Januar 2026 stattfinden. Doch starker Schneefall und der damit verbundene Schulausfall machten eine Durchführung an diesem Tag nicht möglich. Kurzerhand entschieden sich die Schülersprecher, die organisierenden Lehrkräfte der Fachschaft Geschichte gemeinsam mit der Schulleitung, den Gedenktag nachzuholen. Am 5. Februar wurde das gesamte Schulhaus schließlich zu einem Ort des Erinnerns, Lernens und Nachdenkens. Was als einmaliges Projekt begann, entwickelte sich zu einem eindrucksvollen schulübergreifenden Zeichen gegen Antisemitismus – und soll künftig fester Bestandteil des Schullebens werden.

Der Internationale Holocaust – Gedenktag erinnert jedes Jahr an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945. Er steht für das Gedenken an die Millionen Opfer des nationalsozialistischen Regimes und mahnt zugleich, Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu übernehmen. Genau dieses Ziel verfolgte auch das Gymnasium STEIN mit seinem ersten schulischen Gedenktag: Erinnerung nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern diese aktiv, kreativ und altersgerecht erlebbar zu machen.

Beteiligt waren sämtliche Jahrgangsstufen – von der fünften bis zur dreizehnten Klasse. Jede Gruppe setzte sich altersgemäß auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema auseinander. Besonders beeindruckend war dabei das generationenübergreifende Arbeiten innerhalb der Schule: Ältere Schülerinnen und Schüler unterstützten jüngere, erklärten Hintergründe und halfen bei der Umsetzung der Projekte. So entstand nicht nur ein fachlicher, sondern auch ein sozialer Austausch.

In den neunten und zehnten Klassen stand das Thema „Digitale Erinnerung“ im Fokus. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten unter anderem mit dem Graphic Novel Film des KZ Dachau, der sich mit den Ereignissen rund um das Konzentrationslager Dachau beschäftigte. Zudem testeten sie das Spiel „Tribunal 45“ des Memoriums Nürnberger Prozesse, welches die historischen Gerichtsverfahren gegen die Hauptverantwortlichen des NS-Regimes thematisiert.

Besonders eindrücklich war die Arbeit mit der WDR-App „1945“, in der digitale Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von ihren Erfahrungen berichten. Durch diese Form der digitalen Begegnung mit persönlichen Erinnerungen wurde Geschichte greifbar und emotional nachvollziehbar. Viele Schülerinnen und Schüler zeigten sich bewegt von den Berichten und reflektierten im Anschluss ihre Eindrücke in Gesprächsrunden.

Unterstützt wurden die neunten und zehnten Klassen dabei von Schülerinnen und Schülern der elften Jahrgangsstufe. Sie halfen bei technischen Fragen, moderierten Diskussionen und begleiteten Gruppenarbeiten. Für die Elftklässler bedeutete dies eine besondere Verantwortung: Sie übernahmen nicht nur organisatorische Aufgaben, sondern fungierten auch als Vorbilder im Umgang mit einem sensiblen Thema. Dieses Peer-to-Peer-Lernen stärkte das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Schule und zeigte, wie wichtig gegenseitige Unterstützung ist.

Auch die jüngeren Jahrgänge setzten starke Zeichen. Die fünften und sechsten Klassen erarbeiteten Steckbriefe zu Holocaust-Opfern aus Nürnberg. In Gruppen recherchierten sie Lebensdaten, Familiengeschichten und Schicksale einzelner Menschen. Dabei wurde bewusst der regionale Bezug gewählt, um zu verdeutlichen, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht abstrakt oder weit entfernt waren, sondern auch direkt vor der eigenen Haustür stattfanden. Die erstellten Steckbriefe werden in der Aula und an der Empore ausgestellt. So entsteht eine eindrucksvolle Ausstellung, die das Schulhaus in einen Ort des stillen Gedenkens verwandelt.

Unterstützt wurden die Fünft- und Sechstklässler von Schülerinnen und Schülern der zwölften und dreizehnten  Jahrgangsstufe. Gemeinsam arbeiteten sie an der Gestaltung der Plakate und formulierten Texte. Die Zusammenarbeit zwischen den jüngsten und ältesten Jahrgangsstufen der Schule war ein besonderes Zeichen für Zusammenhalt und Verantwortung. Für viele der jüngeren Schüler war es die erste intensive Begegnung mit dem Thema Holocaust – entsprechend behutsam und zugleich ernsthaft wurde gearbeitet.

Die siebten und achten Klassen beschäftigten sich mit dem Leben von Anne Frank. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit ihrem Tagebuch entstanden kreative Projekte: Die Schülerinnen und Schüler zeichneten Comics, die wichtige Stationen aus Anne Franks Leben darstellten. In einem selbst gestalteten Kahoot – Quiz konnten sie ihr Wissen spielerisch überprüfen. Besonders nachdenklich stimmte eine Aufgabe, bei der die Jugendlichen überlegen sollten, was sie in einen Koffer packen würden, wenn sie plötzlich ihre Heimat verlassen müssten. Diese Perspektivenübernahme förderte Empathie und half, die historischen Ereignisse auf persönlicher Ebene nachzuvollziehen.

Im gesamten Schulhaus herrschte an diesem Tag eine besondere Atmosphäre. Statt des regulären Unterrichts arbeiteten die Klassen projektorientiert, gestalteten, recherchierten und präsentierten ihre Ergebnisse. Lehrkräfte begleiteten die Prozesse, gaben Impulse und sorgten dafür, dass die Auseinandersetzung sachlich fundiert und zugleich sensibel geführt wurde..

Resumee: Viele der Beteiligten betonten, wie intensiv und nachhaltig sie den Tag erlebt haben. Schülerinnen und Schüler äußerten, dass sie Geschichte selten so lebendig und berührend erfahren hätten. Besonders die Verbindung aus digitalen Medien, kreativen Aufgaben und historischer Recherche machte den Gedenktag vielseitig und zugänglich.

Für das Gymnasium STEIN war dieser erste Holocaust-Gedenktag ein bedeutender Schritt. Die Schulgemeinschaft setzte damit ein klares Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Diskriminierung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Erinnerungskultur keine Selbstverständlichkeit ist, sondern aktiv gestaltet und weitergegeben werden muss.

In den kommenden Jahren soll der Gedenktag weiter ausgebaut und fest im Schuljahreskalender verankert werden. Geplant sind zusätzliche Kooperationen mit außerschulischen Lernorten, möglicherweise Zeitzeugengespräche oder Workshops mit Expertinnen und Experten. Auch die bestehenden Projekte sollen weiterentwickelt und an neue Jahrgänge angepasst werden.

Der 5. Februar 2026 wird am Gymnasium STEIN Erinnerung bleiben, an dem die gesamte Schule gemeinsam Verantwortung übernommen hat – für das Erinnern, für das Lernen aus der Geschichte und für eine Zukunft, in der Ausgrenzung und Hass keinen Platz haben.

Dieser Holocaust-Gedenktag hat gezeigt, wie wichtig und wirkungsvoll schulische Erinnerungskultur sein kann.

Lenny Feldmann, 1. Schülersprecher