Die Grundschullehrerin Frau Putler steht unseren Fünftklässlern zur Seite
An unserem Gymnasium dürfen die Schülerinnen und Schüler unserer fünften Klassen eine besondere Erfahrung machen: Wie ist es, wenn zwei Lehrkräfte den Unterricht planen und halten und beide als Ansprechpartner und Ratgeber anwesend sind, um Hilfen zu geben, Fragen zu beantworten und Übungen zu erklären?
Wir, die Fünftklässler und Lehrkräfte an unserer Schule, haben das Glück, dass Frau Putler von der Grundschule Stein aufgrund einer Abordnung für sieben Wochenstunden sowie für eine Beratungsstunde in der Woche als Lehrkraft zur Verfügung steht. Ziel dieses Projekts ist es vor allem, den Übergang von der Grundschule zum Gymnasium für die Fünftklässler zu erleichtern. So berät Frau Putler die Gymnasiallehrkräfte, mit welchen Voraussetzungen die Schüler an das Gymnasium kommen und wie die Lehrerinnen und Lehrer, die in den fünften Klassen unterrichten, den Kindern in den ersten Wochen noch effektiver bei der Eingewöhnung helfen und sie unterstützen können. Sowohl die Grundschul- als auch die Gymnasiallehrkräfte profitieren von dem Projekt zusätzlich, da die Kooperation und die Absprache zwischen den beiden Schulen durch Frau Putler noch enger geworden sind, als sie es bereits waren.
Im Rahmen der Kooperation finden regelmäßig gegenseitige Hospitationen in den verschiedenen Schularten statt, so dass Lehrkräfte ihre Kollegen an der jeweiligen Schule bei der Arbeit beobachten und diese Erfahrungen wiederum in die Zusammenarbeit und den Schulalltag mit der Klasse und in ihre eigenen Unterrichtsvorbereitungen einbringen können. Zudem bietet Frau Putler Fortbildungen an, bei denen z. B. die Lehrpläne der verschiedenen Schularten verglichen werden, um so den Übergang noch reibungsloser zu gestalten.
Auch für die Schüler selbst und für ihre Eltern ist Frau Putler ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um die Beratung und Hilfestellung bei Problemen geht, die entstehen, wenn die Kinder nicht gleich mit den neuen Anforderungen am Gymnasium, mit denen sie konfrontiert werden, zurecht kommen.
Wie Frau Putler ihren Einsatz erlebt, schildert sie nun selbst.
OStRin Tanja Trendl
„Da stehe ich also nun vor dem riesengroßen Schulgebäude, das ab heute meine neue „Schulheimat“ werden soll. Freundlich und hell sieht es ja aus – doch ob ich mich wirklich darin so wohl fühlen werde wie in meiner alten Grundschule? Von den rund 1100 Schülern und 90 Lehrern kenne ich gerade mal eine Handvoll. Mulmig ist mir schon… – egal, auf zur Eingangstüre…!“
Gedanken eines Schülers der neuen fünften Klassen an seinem ersten Schultag? Vermutlich auch – doch in erster Linie das, was mir, einer gestandenen Grundschullehrerin, an meinem ersten Tag am Gymnasium durch den Kopf ging. Wie meine Schützlinge, die Schülerinnen und Schüler der Eingangsklassen, sah ich mich fremden Gängen gegenüber, unbekannten Gesichtern und völlig neuen Anforderungen. Aber genau dadurch fiel es mir nicht schwer, mich in die erst vor einigen Wochen entlassenen Grundschüler hineinzuversetzen.
Die gewünschte Vermittlerrolle zwischen Kindern und Lehrkräften einzunehmen wurde mir durch die offenen Ohren der mir zugeteilten Gymnasiallehrkräfte von Anfang an leicht gemacht. Und so fand ich mich nach kurzer Zeit in für mich ebenso spannenden wie effektiven Unterrichtssituationen wieder: in Klassenzimmern des Neubaus mit der Hälfte der Schüler einer Klasse, die mir für genaue Beobachtungen zur Lesefertigkeit einen Abschnitt ihrer Schullektüre laut vorlas. Mit einer Kleingruppe von Schülern, deren gemeinsamem Feind, den leidigen Rechtschreibregeln, wir durch intensive Übung die Stirn bieten wollten. Mit einer ganzen Klasse in der Aula beim Rhythmusklatschen und spielerischem Namenlernen, um das Zugehörigkeitsgefühl der Klassengemeinschaft zu stärken. Mit einzelnen Schülern im Sprechstundenraum, um nach den Gründen für eine daneben gegangene Schulaufgabe zu forschen.
Und heute, nach einem ganzen Schuljahr? Heute gehe ich gerne durch die schwere Eingangstür, denn ich kenne nun viele Gesichter. Die Gesichter vieler Lehrkräfte, für deren Offenheit und deren Entgegenkommen, mich in ihren Unterricht und ihr Lehrerleben aufzunehmen, ich mich ganz herzlich bedanken möchte. Und ich kenne alle Gesichter der Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse und viele ihrer Geschichten. Mit einigen habe ich in der ersten schweren Zeit gelitten, mit vielen konnte ich die Freude und die Chancen des neuen Anfangs erleben.
Susanne Putler
Lehrerin an der Grundschule Stein